3   Verkehrswege im Amtsbezirk Fritschendorf
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Amtsbezirk
Fritschendorf


mit den Dörfern
Boberhöh (Deutsch-Sagar)
Bobertal (Wendisch-Sagar)
Fritschendorf
Deichow, Neubrück
und Chrumow




Impressum

 
1 .   Die Hauptverkehrswege im Mittelalter mußten den Bober überqueren

Seit Urzeiten spielte der Bober als Grenzfluß zwischen der Lausitz und Schlesien eine bedeutende Rolle. Die damaligen Verkehrswege begleiteten zwar seinen Lauf, aber sie vermieden es, ihn zu überqueren. Lange Zeit überspannten zwischen Crossen und Naumburg nur die Brücken bei Alt-Rehfeld und Neubrück den unberechenbaren Fluß.

Im Mittelalter war jedoch nur ein Übergang über den Unterlauf des Bobers vorhanden, das war die Furt bei Neubrück. Auf sie zielten wichtige Verkehrswege hin.
Der Verkehr aus der Lausitz und Böhmen über Crossen nach Polen und umgekehrt war auf sie angewiesen.
Zu dieser Furt zielte auch eine andere Verbindung, die alte Poststraße Dresden Warschau.
Diese Poststraße verließ von Guben her beim Forsthaus Brankow-Theerofen die Linie der heutigen Gubener Chaussee, danach wurde sie durch einen elenden Sandweg nach Blochbude fortgesetzt und von dort führte sie über Deichow zur Furt und von dort weiter nach Crossen.

 Boberlandschaft bei Neubrück
Wie sah nun eine solche Post- und Handelsstraße in der damaligen Zeit aus? Sie hatte nicht die geringste Ähnlichkeit mit unseren heutigen Sandwegen. Man muß sich die Straße so vorstellen: Hunderte Gleise nebeneinander in alle Richtungen zersplitternd, als habe jedes einzelne Gefährt seine eigenen Spuren hinterlassen.

Die älteste Überquerung des unteren Bober war aber nicht im Tal von Neubrück. Für die wuchtigen Reisewagen wäre das eine sehr beschwerliche Angelegenheit gewesen. Die alte Furt verband Deichow mit Wendisch-Sagar. Sie begann ein wenig oberhalb Deichow und endete bei Wendisch-Sagar, dabei das Flußbett etwas schräg schneidend.
Von Wendisch-Sagar aus erstieg diese Poststraße die Deutsch-Sagarer Höhen. Fritschendorf wurde von ihr nicht berührt. Sie führte damals auch nur am Dorf Deutsch-Sagar vorbei (die Häuser des Berges in Deutsch-Sagar wurden erst später gebaut). Aus dem Jahre 1705 liegt eine Nachricht vor, nach der bei Deutsch-Sagar ein Töpferwagen aus Christianstadt umgefallen sei, wobei eine Magd, die ihn halten wollte, zu Tode kam.
Wendisch-Sagar dagegen lag damals am Hauptverkehrswege. So erklärt sich auch, daß in dem eigentlich weit ab vom heutigen Durchgangsverkehr liegendem Dorf Wendisch-Sagar die Bauern als "Frachtführer" bekannt waren; sie begleiteten mit ihren Pferden oft die Kaufmannswagen einige Meilen des Weges.

2 .    Die Brücke bei Neubrück

Die Entstehung der alten Holzbrücke, die bis zum Jahre 1934 bestand, verliert sich im Dunkeln der vergangenen Jahrhunderte. Mit einer Länge von 234 Metern und 32 Brückenpfeilern war diese frühere Brücke eine der letzten Zeugen alter Holzbrückenbaukunst. Eine Besonderheit war, daß sie mit einer Stauwehranlage, ebenfalls aus Holz, eine Einheit bildete. Die Stauhöhe zwischen Ober- und Unterwasser betrug beachtliche 4,20 Meter, was für ein Holz-Stauwerk selten war.
Wie bereits oben erwähnt, wurde damals der Verkehr von der Lausitz her nach Crossen und weiter nach Polen über diese Brücke geführt.
Aber auch für den Verkehr zwischen Crossen und den westlich der Bobers liegenden Amtsdörfern war diese Brücke unentbehrlich.

 Neubrück - alte Holzbrücke

3 .    Die Brücke bei Benschbude

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Dieser Boberübergang ist noch nicht sehr alt. Die Brücke bei Benschbude entstand erst mit dem Bau der Guben-Crossener Chaussee in den 1860-er Jahren als Holzbrücke.
Das benötigte Bauholz in diversen Abmessungen lieferte die Oberförsterei Braschen.
Sie war eine schmale Holzbrücke, die dem steigenden Straßenverkehr später nicht mehr genügte. Im Jahre 1934 ist diese Holzbrücke Opfer eines Brandes geworden (siehe nachfolgenden Abschnitt).


4 .    Die beiden Brückenbrände im Jahre 1934

Gleich zu Beginn der Naziherrschaft geschah es, daß innerhalb von drei Tagen die beiden Brücken bei Benschbude und Deichow abbrannten.
Am Samstag, den 16. Juni 1934, gegen 18:00 Uhr stand binnen weniger Augenblicke die Holzbrücke bei Neubrück in Flammen. Trotz der Anstrengungen der Feuerwehren wurden die sechs mittlere Brückenjoche völlig vernichtet.

Bereits 36 Stunden später, um Mitternacht zum Montag, den 18. Juni 1934, entstand auch auf der hölzernen Boberbrücke bei Benschbude ein Brand, der sich so schnell ausbreitete, daß die eiligst alarmierten Feuerwehren nicht wirksam eingreifen konnten.
Diese Duplizität der Ereignisse löste bei den Bewohnern sofort den Verdacht aus, daß es "besondere" Brandstiftungen waren. Die Brandstifter wurden nicht ermittelt, da diese geschickt alle Spuren vernichteten.

Aber an diesem Sonntagabend fand in der Gastwirtschaft "Tilgner" in Benschbude ein Sommertanzabend statt. Es gab Teilnehmer, die berichteten, daß sie kurz vor Ausbruch des Brandes sahen, wie ein LKW mit SA-Leuten über die Brücke fuhr. Jedenfalls hatten die Tanzteilnehmer aus Boberhöh, Bobertal und Fritschendorf einen recht beschwerlichen Heimweg. Einige mußten den langen Marsch über Neu- und Alt-Rehfeld antreten und waren erst am frühen Morgen daheim. Der größte Teil aber konnte mit Kähnen über den Bober geholt werden.

Da die Benschbuder Brücke eine große Bedeutung auf der Reichsstr. 97 besaß, wurde schnell eine hölzerne Notbrücke errichtet.
Am 14. Sept. 1935 wurde bereits die neue Benschbuder Brücke dem Verkehr übergeben. Mit ihrer schlichten, aber gefälligen Form fügte sich diese neue Boberbrücke, wie das nebenstehende Foto aus dem Jahre 2005 zeigt, ausgezeichnet in die Landschaft ein. Sie wurde von der Firma Polensky & Zöllner aus Driesen (Neumark) als sogenannte "Plattenbalkenbrücke" innerhalb eines Jahres gebaut und hat folgende Parameter:

- Länge : 190 m
- Fahrbreite : 8,50 m
- Gehsteige : je 3 m

Die Brücke bei Neubrück dagegen wurde wieder als Holzbrücke im alten Stil aufgebaut.
Am 15. Februar 1945 abends, in Boberhöh waren zu diesem Zeitpunkt bereits die ersten Russen einmarschiert, wurden diese Brücke und auch die Brücke bei Neubrück von der deutschen Wehrmacht gesprengt.

Später nach 1945 wurden diese beiden Boberbrücken von den Polen wieder aufgebaut. Dabei wurde die Holzbrücke bei Neubrück von den Polen durch eine mit Bohlen ausgelegte moderne Betonbrücke ersetzt (siehe nebenstehendes Bild).

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5 .    Bau von Chausseen

Voraussetzung für die nach den Stein'schen Reformen eintretende industrielle Entwicklung war ein verbessertes Straßenwesen. Deshalb wurde nach 1816 der Straßenbau durch die preußische Regierung intensiviert. So wurde bis 1830 die Reichstr. Nr 5 (Frankfurt/O. Crossen Grünberg - Breslau) asphaltiert.
Bald traten jedoch die Landkreise für den Straßenbau und die Straßenunterhaltung immer stärker in Erscheinung, obwohl sie noch nicht dazu verpflichtet waren. Erst ab 1876 wurden die Straßen den Provinzialbehörden übergeben, die dann gleichzeitig auch den Gemeinde- und Kreiswegebau unterstützen mußten.
Durch unseren Amtsbezirk führten folgende Chausseen, an deren Planung der damalige Landrat, August von Rheinbaben, einen großen Anteil hatte:
  • die Gubener Chaussee (Reichsstr. 97 ), die in den Jahren 1861 66 entstand. Sie folgte, von Guben kommend, bis Theerofen dem alten Handelsweg. Von Theerofen bis Crossen bekam diese Chaussee eine neue Trasse, und der Bober wurde bei Benschbude überquert. Sie führte durch die Gemarkungen Fritschendorf und Deutsch-Sagar.

  • An dieser Gubener Chaussee stand zwischen dem Abzweig zum Schäferberg und der Schwedenschanze auf der linken Seite das Chausseehaus von Deutsch-Sagar. Heute ist es verschwunden. Dieses Chausseehaus wurde eigentlich als ein Zollhaus erbaut, denn dort wurden damals von Fuhrwerken usw. noch Straßenbenutzungsgebühren erhoben. Auf diese verzichtete die öffentliche Hand erst, nachdem noch vor dem 1. Weltkrieg die Bahnstrecke Crossen-Sommerfeld in Betrieb genommen wurde.

  • die Lehmchaussee von Crossen nach Sommerfeld. Sie zweigte bei Benschbude von der Gubener Chaussee ab und führte durch die Gemarkungen Fritschendorf und Deichow. Sie wurde später asphaltiert.
6 .   Eisenbahnstrecke Crossen - Sommerfeld

Im Jahre 1838 fuhr in Preußen die erste Eisenbahn von Berlin nach Potsdam. Dieses neue Verkehrsmittel revolutionierte den Warenverkehr. Durch den immer stärkeren Ausbau des Eisenbahnnetzes verloren die alten Verkehrsstraßen an Bedeutung. Der bisherige Fernverkehr wurde immer mehr auf die Schiene verlagert. Unsere Kreisstadt Crossen wurde aber erst recht spät an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Im Jahre 1870 wurde die Strecke Guben-Crossen- Züllichau- Posen (172,9 km) in Betrieb genommen.
 Bahnhof Deichow

Durch unseren Amtsbezirk führte die Nebenstrecke Crossen-Sommerfeld, im allgemeinen "Balkanexpress" genannt. Ein Bahnhof war in Deichow (siehe nebenstehendes Bild).

Bereits 1902 wurde die Begründung der Baumaßnahme formuliert. Sie sollte für Crossen einen wirtschaft-lichen Aufschwung bringen und für die Güter Dünger und Futtermittel sowie landwirtschaftliche Produkte befördern.

Der Bau der Strecke dauerte immerhin mehr als 10 Jahre. Am 27.April 1914, kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges, wurde diese 37 km lange Strecke eröffnet. Nicht alle erhofften Entwicklungen traten ein, doch diese Bahn hatte eine gewisse Bedeutung für Industrie und Handel im Kreis Crossen.

geändert 30.11.2007  
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